Gemeindebezirk Leopoldstadt

Wien Stadt, Wien, Österreich

Land:
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Gemeinde:
Gemeindebezirk Leopoldstadt
Bevölkerung:
97 677

Über Gemeindebezirk Leopoldstadt

Leopoldstadt (deutsche Aussprache: (anhören); österreichisch-bayerisch: Leopoidstod, "Leopoldstadt") ist der 2. Wiener Gemeindebezirk (deutsch: 2. Bezirk). Es gibt 103.233 Einwohner (Stand 01.01.2016) auf einer Fläche von 19,27 km2. Es liegt im Herzen der Stadt und bildet zusammen mit Brigittenau (20. Bezirk) eine große Insel, die vom Donaukanal und im Norden von der Donau umgeben ist. Es ist nach Leopold I., dem Heiligen Römischen Kaiser, benannt. Aufgrund seines relativ hohen Anteils an jüdischen Einwohnern (38,5 Prozent im Jahr 1923, d. H. Vor dem Holocaust) erhielt Leopoldstadt den Beinamen Mazzesinsel. Dieser Kontext war ein wichtiger Aspekt für die Städtepartnerschaft mit dem New Yorker Stadtteil Brooklyn im Jahr 2007.

Sehenswürdigkeiten

Zu den Sehenswürdigkeiten gehört der Wiener Prater (vom lateinischen Pratum "Wiese"), zu dem die Öffentlichkeit bis 1766 keinen Zutritt hatte. Auf dem dem Stadtzentrum am nächsten gelegenen Gebiet des Praters befindet sich ein großer Vergnügungspark, der Volksprater ("People's Prater") oder Wurstelprater (nach der Harlekin-Figur der Hanswurst), und an ihrem Eingang befindet sich das 1897 eröffnete riesige Wiener Riesenrad, das im Film "Der dritte Mann" eine herausragende Rolle spielt und zu einem der bedeutendsten in Wien geworden ist Warenzeichen. Das Schweizerhaus mit seinem riesigen Biergarten verkauft das original tschechische Budweiser-Fassbier. Die Eigentümer behaupten, dass in den 1920er Jahren die Kartoffelchips dort erfunden wurden. In der Nähe befindet sich die "Republik Kugelmugel", eine 1984 proklamierte Mikronation, die zum Wahrzeichen der Region wurde. Es gibt auch eine Miniatur-Dampfbahn ("Liliputbahn"), die auf ihrer Strecke durch den Wald parallel zur Hauptallee das Wiener Ernst-Happel-Stadion passiert.

Ein weiterer, kleinerer Park in Leopoldstadt ist der Augarten vom Typ Topiary, in dem sich die Wiener Sängerknaben und eine Porzellanmanufaktur ("Augarten-Porzellan") befinden. Seine Erkennungsmerkmale sind zwei stillgelegte Flaktürme, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs errichtet wurden. Informationen zu diesem vielseitigen Stadtteil, der hier nicht aufgeführt ist, finden Sie auf der Seite Leopoldstadt-Kategorie.

Jüdische Leopoldstadt

1625 wurde der Rabbiner Yom-Tov Lipmann Heller der Rabbiner von Wien. Zu dieser Zeit waren die Wiener Juden in der ganzen Stadt verstreut und hatten keine zentrale Gemeinde. Heller erhielt für die Juden das Recht, eine zentrale jüdische Gemeinde in Leopoldstadt zu gründen, die schon damals ein Vorort von Wien war. Er war maßgeblich an der Umstrukturierung der Gemeinschaft beteiligt und erarbeitete deren Verfassung.

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war ein Teil des bebauten Gebiets das jüdische Ghetto. Zu dieser Zeit hieß das Gebiet "Im Werd", wobei die jüdische Bevölkerung in einem Gebiet namens "Unterer Werd" lebte. Der Hass, den Leopold I., der heilige römische Kaiser, auf die Juden ausübte, führte zu einer gewaltsamen Vertreibung und Zerstörung der jüdischen Gemeinde (gesera), die von der örtlichen nichtjüdischen Bevölkerung unterstützt wurde. Als Dank für die Vertreibung benannten die Einwohner das Gebiet Leopoldstadt nach dem Kaiser um. Während der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie strömten jüdische Einwanderer aus östlichen Teilen des Reiches erneut nach Leopoldstadt, da sich in der Nähe des Nordbahnhofs einer der wichtigsten Bahnhöfe befand, an denen Einwanderer aus anderen Teilen des Reiches stationiert waren in Wien angekommen. Die hohe Zahl jüdischer Einwohner führte dazu, dass das Gebiet Mazzesinsel genannt wurde ("Insel Matzo", was auf das ungesäuerte Brot hinweist, das während des Passahfestes gegessen wurde). Dort befanden sich mehrere bedeutende Synagogen, darunter die Schiffshul, der Leopoldstädter Tempel, der Türkische Tempel, die Polnische Schul und der Pazmanitentempel sowie Jeschiwas.

Keine der Synagogen entging der Zerstörung während der Kristallnacht-Pogrome im November 1938 nach der Annexion Österreichs durch Nazideutschland. Ein Fragment einer Thora-Schriftrolle wurde von Heschel Messias bei einem Brand aus einer der Synagogen gerettet. Die jüdische Bevölkerung wurde zunehmend isoliert und terrorisiert und schließlich in Konzentrationslager wie Auschwitz deportiert und ausgerottet. Das einst blühende Gemeinschaftsleben wurde völlig zerstört. Nur eine Handvoll Überlebender konnte sich bis Kriegsende vor mehreren tausend Einwohnern verstecken.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und der erneuten Einwanderung aus Osteuropa, insbesondere der ehemaligen Sowjetunion, konnte die jüdische Bevölkerung in Leopoldstadt wieder wachsen. Heute leben wieder viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Wien und es gibt eine Reihe von Geschäften, die koschere Lebensmittel verkaufen. Einige Teile der alten Wohngegenden wurden gentrifiziert, was zu einer leichten Abkehr von Leopoldstadts traditionellen Wurzeln, die überwiegend von der Arbeiterklasse herrühren, hin zu einer etwas reicheren Bevölkerung führte.

Quelle: Wikipedia
Weiterlesen: en.wikipedia.org/wiki/Leopoldstadt

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